Vielleicht muss man einfach anders denken, neu denken. Wenn Apple einen Fernseher auf den Markt bringt, dann sicher keinen Screen mit eingebautem Apple TV. Was wäre dadurch gewonnen? Die Content-Problematik bliebe ungelöst. Apple mag sich in Verhandlungen mit Rechte-Verwertern und Content-Providern befinden, aber für den Nutzer befriedigende Ergebnisse könnten noch Jahre auf sich warten lassen. Nein, wir müssen Fernsehen neu denken, wenn wir verstehen wollen, an was Apple wirklich tüftelt.
Wie wäre es, wenn Apple einen neuen „Screen” in den Alltag der Menschen installieren würde? Also nicht im Sinne eines herkömmlichen Fernsehgeräts, sondern im Sinne einer neuen Geräteklasse, wie sie der Konzern vor einigen Jahren bereits mit dem iPad präsentierte. James McQuivey von Forrester beschreibt diesen neuen Screen als „FamilyHub”, der beispielsweise in der Küche oder im Flur an der Wand hängt. Dieser Screen ist dann eine Art digitaler Knotenpunkt für alle Haushaltsmitglieder. Es wird Apps geben, um den Haushalt zu koordinieren, Aktivitäten zu planen oder den Urlaub zu buchen. Auch FaceTime, Siri und vielleicht sogar Gestensteuerung sind integriert. Wir müssen den iTV also eher als neuen digitalen Hub im menschlichen Haushalt denken, als Knotenpunkt der familiären (soziale Beziehungen) und häuslichen (Gegenstände) Vernetzung - und nicht als ein „simples” TV-Gerät.
Die heute als Smart-TV bekannten neuen Fernsehlösungen sind noch viel zu stark dem klassischen Fernseh-Konzept verhaftet. Kompliziert in der Bedienung, macht die Nutzung von Apps und Kommunikation auf dem Fernsehbild nicht wirklich Spaß - was sie im Grunde zu überpowerten Online-Boliden macht. Der iTV, davon sollte man ausgehen, wird simpel in der Bedienung sein und die Bedürfnisse seiner Nutzer erst schaffen - ganz ähnlich, wie es das iPhone und das iPad bereits zuvor taten. Man muss die Menschen zu ihrem Glück zwingen, hat Steve Jobs einmal gesagt.
Die Nutzung des iTV ist eines Tages ebenso selbstverständlich, wie heute die eines Smartphones. iTV als Kommunikationszentrale mit FaceTime und iMessage, als Familien-Koordinationsstelle mit Notizen und Kalender, als Content-Kanal mit YouTube und Co., als Shopping-Portal und als App-Hardware, die wahrscheinlich mit ganz neuen Applikationen daherkommt. Warum nicht ein eigenes Soziales Netzwerk für die Familie? Der iTV wird nicht im Wohnzimmer seinen Platz finden, wo der „andere” TV steht, sondern dort, wo die Familie sich trifft - im Flur oder in der Küche.
Und wenn eines Tages tatsächlich das Internet der Dinge Realität wird und in unserem Zuhause Dinge wie Heizung, Licht oder etwa Haushaltsgeräte wie Waschmaschine vernetzt sind und sich von einem zentralen Ort aus steuern lassen, wird der iTV diese Kontrollzentrale sein. Wir können dann von unterwegs per App die Heizung regeln, die Waschmaschine anschmeißen und überprüfen, ob noch genug Milch im Kühlschrank ist. Wir können mit unserer Familie Videotelefonie betreiben und Fotos gemeinsam anschauen, während sie in der Küche frühstückt und wir im Hotel sind. Wir können das Familienleben und den Haushalt digital organisieren - und verbessern.
